Verabschiedung von Landespräses Charles Borg-Manché

Bei der Landesversammlung am 25.03.2017 wurde der langjährige Präses der KAB Bayern, Charles Borg-Manché, verabschiedet. Die Laudatio wurde von Hannes Kreller gehalten. 

Charles Borg-Manché wurde am 26.4.1944 auf Malta als Erster von 9 Kindern geboren. Der Eintritt in das Priesterseminar erfolgte 1960. Am 30. März 1968 wurde er auf Malta ordiniert.

Im Herbst 1968 bekam er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in  Deutschland und er lernte für 4 Monate am Goetheinstitut in Degerndorf b. Brannenburg (Inntal) die deutsche Sprache. Anschließend studierte er noch 2 Semester an der Uni München Pastoraltheologie bis April 1970 in einer aufregenden gesellschaftlichen Zeit. Daraufhin ging er zurück nach Malta und war dort in der Touristenpastoral tätig.

Aber die Insel war ihm wohl zu eng geworden und so kehrte er im Herbst 1972 zurück nach München. Im Herbst 1972 wurde er durch Herrn Kardinal Döpfner als Kaplan in St. Michael in Berg-am-Laim eingesetzt und mit der Jugendarbeit betraut. Im September 1979 wechselte er in das Dekanat München-Pasing als Jugendpfarrer, in dem er auch sein Domizil aufgeschlagen hat.

1982 bekam Charles Borg-Manché die deutsche Staatsbürgerschaft. Von 1987 bis 1998 wurde er Gemeindepfarrer in St. Sebastian in München-Schwabing, von 1998 bis 2013 KAB-Diözesanpräses von München. 

Ab 2008 zunächst für 2 Jahre kommissarisch und ab 2010 bis 2017 war er aktiv als Landespräses der KAB Bayern.

Mit seinem Geburtsort Malta eng verbunden ist die Geschichte von Paulus und wie dieser hat Charles Borg-Manché stets ein Mut-Mach-Programm im Gepäck. Er war und blieb standhaft bei schweren Stürmen, der auch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung in den letzten Jahren immer wieder mal ausgesetzt war. Mit seinem Zuspruch und seiner Begleitung durch sein „Gottvertrauen“ durch das geistliche Wort in allen Sitzungen der KAB und sein Gebet, war er immer Vorbild und Rückgrat der Arbeit und des Zusammenwirkens in der KAB Bayerns. Ebenfalls unverrückbar ist sein Credo für die gleichberechtigte Teilhabe und Teilnahme von Frauen und Männern in der Gesellschaft.

Hannes Kreller endete seine Laudation an Charles Borg-Manché mit den Worten: „Wir sind stolz, dass die KAB  Charles Borg-Manché als Landespräses erleben durfte, der vehement für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie ihrer Familien eintritt. Wir wünschen ihm weiterhin alles Gute,  dazu gehören Gesundheit und Schaffenskraft, die Gott in ganzer Fülle schenken möge.“

Dem schlossen sich die Mitglieder des Landesversammlung der KAB Bayern sowie die neugewählte Vorstandschaft, mit Franz Schollerer, KAB Landespräses, Erna-Kathrein Groll, KAB Landesvorsitzende sowie der Landesgeschäftsführer Alois Nock aus vollem Herzen an.

110 Jahre Arbeitskreis Frauen in der KAB Bayern

Der Arbeitskreis Frauen der KAB Bayern feierte im Februar dieses Jahres 110jähriges Jubiläum zusammen mit vielen Gästen aus Bayern. Frauen und Männer aus der KAB und befreundeten Organisationen kamen zu einer Feierstunde zusammen um 110 Jahre – Engagement von Frauen, mit Frauen und für Frauen in der Landesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Bayerns Revue passieren zu lassen.

110 Jahre wechselvolle Geschichte mit harten Zeiten, mit dem Kampf um die Rechte der Frauen.

110 Jahre in denen mutige Frauen immer wieder im Einsatz für mehr Gerechtigkeit nicht nur Lob ernteten sondern auch und gerade gedankliche und traditionellen Mauern und Denkmustern niederreißen mussten. 

Die Frauen der KAB in Bayern waren vielleicht keine Revoluzzerinnen, aber ihr Handeln war durchaus revolutionär. 1912 steht im Verbandsorgan „Die Arbeiterin“ zu lesen …dass die Frau ins Hausgehört, gilt heute nicht mehr. Die großen Umwandlungen die sich ergeben haben, haben die Türe des Hauses weit aufgerissen….Statt sich über die damit verbundenen Missstände zu beklagen, ist es besser zu fragen: Ist es möglich die alten Ideale mit der neuen Kultur zu vereinigen? 

Daran arbeiten die Frauen und Männer der KAB noch heute. Berufstätigkeit ist für Frauen seit damals keine Frage mehr, aber die Frage der Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Politik und Wirtschaft ist heute wie damals noch längst nicht gelöst. Die Chancengerechtigkeit in einer beruflichen Karriere, beim Einkommen, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei der Rente alles Themen die aufzeigen wie viel Arbeit noch auf uns wartet. Im öffentlichen Denken herrschen immer noch die traditionellen Denkklischees vor, wie z. B. die Männer sind die „Familienernährer“ und die Frauen die „Dazuverdienerinnen“. Was unter anderem dazu führt, dass Frauen vermehr in den prekären Arbeitsbeschäftigungen und im Niedriglohnbereich tätig sind. 

Auch nach 110 Jahren ist es immer noch wichtig für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu kämpfen, auch wenn sich die Methoden, Aktionen und Instrumente dazu sicher verändert haben. Der derzeit laufende Kinofilm „Suffragette – Taten statt Worte“ zeigt anschaulich wie hart die Auseinandersetzung der engagierten Frauenrechtlerinnen damals war. Diese Frauen haben viel erreicht und sicher gäbe es noch heute kein Frauenwahlrecht und die Ehemänner müssten immer noch zustimmen, wenn Ehefrauen arbeiten wollen. Dennoch bleibt noch viel zu tun.

Hedwig Fischer, langjährige Landesvorsitzende der KAB Bayern, antwortete in einer Interviewfrage bereits von 20 Jahren auf die Frage was zu tun sei: „Wir müssen dazu beitragen, dass Frauen politischer werden…politischer im Kampf gegen die gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen. Die KAB muss Frauen zum politischen Handeln befähigen.“ Hedwig Fischer erkannte damals ein Gefühl der Ohnmacht der Frauen, das aus den Erfahrungen der Abhängigkeit und Chancenlosigkeit der Arbeitnehmerinnen speiste. „Die Arbeitnehmerinnen erleben, dass sie wie Ware behandelt werden.“ Diese Erfahrungen sind auch heute noch Realität in der Arbeitswelt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verzichten oft auf ihre verbrieften Rechte, weil sie sich ausgeliefert fühlen. Hier hat die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung mehr denn je den Auftrag, sich an ihre Seite zu stellen und mit ihnen zu kämpfen.

Auch Lydia Bohnert, ehemalige Verbandsreferentin in der KAB Bayern machte den Unterschied der Frauenarbeit in der KAB deutlich:  „Die Arbeit der Frauen im Verband hat sich in ihrer öffentlichen und politischen Auseinandersetzung immer vorrangig um die bestehenden Probleme der Frauen bemüht. Sie hat allerdings immer auch die gesamtgesellschaftliche Fragen in den Blick genommen….Aber, ich bin mir auch bewusst, dass Frauen in Solidarität miteinander für ihre eigene Sache zuerst den Stein ins Rollen bringen müssen.“ In der KAB einem Verband von Männern und Frauen ist es selbstverständlich, dass die Chance unserer Gesellschaft nicht in der Gleichmacherein liegt, sondern in einer tatsächlichen Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, in der Gesellschaft und in allen Bereichen des Lebens. Denn nur im gemeinsamen Gestalten liegt die Zukunft. Diesem Auftrag stellen wir uns.

Nach 110 Jahren – Frauen-Engagement in der Landesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Bayerns gilt es Dank zu sagen, an die mutigen Frauen und Männer der KAB, die stets die Missstände und Ungerechtigkeiten GESEHEN haben. Die nicht geschwiegen haben, sondern immer bereit waren die Ursachen und die Verursacher der Ungerechtigkeiten zu hinterfragen und  zu (be-)URTEILEN. Sie haben gehandelt sind aktiv geworden, haben sich verbündet und sich eingesetzt für die Rechte der Frauen und damit auch für ein besseres Leben für ihre Familien wie auch für unsere Gesellschaft. Sie haben mit ihrem HANDELN ein gutes Fundament gelegt für uns heute und unser weiteres Engagement in der KAB.

Die KAB Bayern bewahrt dieses Andenken und trägt dies weiter im gemeinsamen und gleichberechtigten Gestalten unserer Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit.

Erna-Kathrein Groll
Landesvorsitzende KAB Bayern

 

Download des Grußwortes von Luise Klemens