14.04.2021

Alleinerziehende müssen weiter vom Wohngeld profitieren

Die KAB Deutschlands fordert gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehender (AGIA), dass der geplante erhöhte Freibetrag bei der Einkommenssteuer in der Steuerklasse II nicht zur finanziellen Schlechterstellung von Alleinerziehenden führen.

"Hier wird das Kind mit dem Bader ausgeschüttet. Das Wohngeldgesetz muss dringend korrigiert werden, damit der erhöhte steuerliche Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nicht existenzbedrohend für geringverdienende Einelternfamilien im Wohngeldbezug wird", betont Annette Seier, Familienexpertin und KAB-Vertreterin in der AGIA. Die von der Bundesregierung gut gemeinte Erhöhung der Steuerfreibeträge bedeuten in vielen Einfamilienhaushalten weniger Wohngeld. In einem Offenen Brief an Bundesbauminister Horst Seehofer, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey fordern die Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehender sowie die Diakonie Deutschlands, der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) und die Selbsthilfeinitiative Alleinerziehender (SHIA) die dringende Korrektur des Wohngeldgesetzes.

Wegfall des Wohngeldes gefährdet Kinderwohl

Alleinerziehende, die erwerbstätig sind und wegen ihrer kleinen Einkommen keine Steuern zahlen müssen, sollten wie bisher bei der Finanzierung ihrer Wohnkosten vom Wohngeld profitieren. Da das Wohngeld unter anderem einkommenabhängig ist, profitieren von der Erhöhung insbesondere die Haushalte, die ein niedriges Einkommen haben. Durchschnittlich liegt die Wohngelderhöhung in 2021 bei circa 15 EUR im Monat, für jedes weiteres Mitglied im Haushalt können bis zu 3,60 EUR ergänzt werden. Die monatliche Einkommensgrenze in Mietstufe I liegt für einen 1-Personen-Haushalt bei 961 Euro. Bei einem 2-Personen-Haushalt liegt sie bei 1.314 Euro und bei einem 3-Personen-Haushalt bei 1.605 Euro. Mit dem erhöhten Steuerfreibetrag sind besonders Alleinerziehende mit geringem Einkommen schnell über dieser Grenze. Geringverdienende Familien im Wohngeldbezug, die nur knapp über dem Existenzminimum leben, sind jedoch für ihre Lebenshaltung auf jeden Euro angewiesen. "Ein Wegfall des Wohngeldes gefährdet in den betroffenen Familien insbesondere die Bildungschancen und die gesellschaftliche Teilhabe der Kinder", beklagt die AGIA.

 

 

Alleinerziehende könnten beim Wohngeld schlechter abschneiden. Foto: fotolia