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25.01.2019

Kapverden: Armuts- und Umweltfragen sind nicht zu trennen

Welche Bedeutung hat „Laudato si” für den afrikanischen Kontinent und speziell für die Inselgruppe der Kapverden? Das war die zentrale Frage eines Seminars, das vor wenigen Wochen in Praia, Hauptstadt der Kapverden, stattgefunden hat. Durchgeführt wurde dieses Seminar im Rahmen eines Partnerschaftsbesuches der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung der Diözese Aachen (KAB), gemeinsam mit ihrer portugiesischen Partnerorganisation LOC/MTC und der Ação Católica de Cabo Verde, der Katholischen Aktion von Kapverden

In seiner Enzyklika „Laudato si“ beschreibt Papst Franziskus wie durch die vorherrschenden Produktionsweisen, durch die globalen Finanzbeziehungen und Herrschaftsverhältnisse, einer Technikgläubigkeit sowie einem Lebensstil, der auf Konsum und Ressourcenverbrauch angelegt ist, das Leben auf dieser Erde zunehmend bedroht ist. Der Papst beschreibt die Folgen der kapitalistischen Wirtschaftsweise, in dem er die Umweltverschmutzung, den Klimawandel, die Wasserproblematik, den Verlust der biologischen Vielfalt und weitere Problembereiche detailliert ausführt. Leidtragende sind weltweit vor allem die Armen im globalen Süden.

„Die Wasserproblematik, hier besonders die Wasserknappheit, begegnet den Menschen auf den Kapverden bei Schritt und Tritt“, berichtet Wilfried Wienen, Seminarleiter der Aachener Delegation „An manchen Tagen gibt es Wasser aus der Wasserleitung. Wenn nicht, entnimmt man den täglichen Bedarf aus großen Fässern, die auf den Dächern stehen und von Tankwagen gefüllt werden. Regen gibt es im Schnitt einmal in fünf Jahren. Die neu angelegten Stauseen sind fast leer. In manchen Jahren verdursten und verhungern die Tiere, auch die Landwirtschaft bringt kaum Ertrag“. Die landwirtschaftliche Produktion auf den Kapverden reicht nicht zur Eigenversorgung, so dass über 90% der Nahrungsmittel importiert werden müssen.

Franzikus entwickelt in „laudato si“ seine Vorstellungen von der Arbeit im Kontext einer Schöpfungstheologie, die das Bebauen und Bewahren als Auftrag an den arbeitenden Menschen herausstellt. Arbeit muss in Harmonie mit der göttlichen Schöpfung erfolgen. Der Mensch ist Mitarbeiter am göttlichen Schöpfungswerk und hat für den Erhalt der Schöpfung Sorge zu tragen. Er stellt vor allem die Rechte der Arbeit heraus, dabei ist Schutz gegen Ausbeutung ein zentrales Element.

Aufgrund von hoher Arbeitslosigkeit lebt ein großer Teil der Bevölkerung als Arbeitsemigranten im Ausland und unterstützt so die Familienangehörigen auf der Insel. Wirtschaftliche Einnahmequellen für Kap Verde sind der Tourismus und der Export von Fisch, Bananen, Textilien, Schuh- und Lederwaren.

„Eine Arbeit zu haben, von der man mit seiner Familie leben kann, das ist für die Menschen in Kapverden das wichtigste“, erzählt Ralf Taufenbach, ebenfalls Teilnehmer aus der Aachener KAB. „Oft sind ganze Familien arbeitslos. Es gibt zwar gut ausgebildete junge Menschen, die aber auf den Inseln kaum eine Berufsperspektive haben. Sie sind die Migranten von morgen und werden den ‚Brain-Drain‘, die Abwanderung der einheimischen Talente, noch verstärken. Die Kapverden verlieren damit ihr wichtigstes Kapital, nämlich ihre Jugend“.

Kardinal Arlindo Furtado, der Bischof von Kapverden, betonte in seinem Vortrag die große Bedeutung, die „Laudato si“ für die Kapverden hat. „Die Kernbotschaft von Papst Franziskus lautet: Armuts- und Umweltfragen sind nicht voneinander zu trennen. Die Gerechtigkeitsfrage und die ökologische Frage sind zwei Seiten einer Medaille. ‚Laudato si‘ ist ein konkretes Thema bei unseren Gesprächen mit der Regierung“.

Zum Abschluss des Seminars kamen über 100 Aktivisten der Ação Católica im Pastoralzentrum von Praia zusammen um die Ergebnisse des Seminars zu besprechen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Gerade die Glaubensfreude und das begeisterte Engagement der Kapverdier berührten die TeilnehmerInnen aus Europa.

Interessierte Teilnehmerinnen des Seminars

Die Seminarleitung (re. Wilfried Wienen)

Wasserknappheit auf den Kapverden

Kardinal Arlindo Furtado

Gemeinsamer Gottesdienst der Aktivisten