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Bildung

Bildung ist mehr als Schule - KAB Bayern diskutiert mit Spitzenkandidat*innen zur Landtagswahl 2018

Voraus war der politischen Veranstaltung ein Gottesdienst gegangen, der vom ehemaligen Landespräses Charles Borg-Manché eindrucksvoll vorbereitet und zelebriert wurde. Schon das Eingangslied „Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun“ stimmte auf die Thematik ein. In seiner Predigt sagte Borg-Manché, dass „Bildung zum Wesen des Mensch-seins und des Mensch-werdens gehöre“. Er ging auf den Lehrermangel und die zunehmende Ökonomisierung des Bildungsbereichs ein. Kulturelle und politische Bildung sei gerade in diesen unruhigen Zeiten enorm wichtig für die Demokratie, so der frührere Landespräses. „Weisheit ist von Gerechtigkeit nicht zu trennen“ zitierte Borg-Manché aus dem „Buch der Weisheit“ und merkte an, dass in der Bibel Bildung und Wertevermittlung zentrale Themen seien. „Bildung ist keine Ware, sondern ein wertvolles Gut, das nicht parteipolitischen Interessen unterworfen werden darf.“ Er schloss – in Hinblick auf die folgende Podiumsdiskussion – mit den Worten „Eine kluge Regierung bedeutet Wohlergehen für das Volk“ (hier der Link zur Predigt). 

Im Münchner Hofbräukeller moderierte nach der Begrüßung durch Landespräses Franz Schollerer dann der bekannte Radio- und Fernsehmoderator Roman Roell die Podiumsdiskussion. Launig ging es in die erste Runde, in der der Moderator den Bezug der Diskussionsteilnehmer zur Erwachsenenbildung abfragte: Waren es bei Diana Stachowitz von der SPD die Verbindung zu Kirche und Gewerkschaft, bei Katharina Schulze vom Bündnis 90/Die Grünen Erfahrungen aus ihrer Arbeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und bei Prof. Dr. Michael Piazolo von den Freien Wählern das Studium der Erwachsenenpädagogik und die langjährige Leitung des Akadmie für politische Bildung, machte Staatsminister Bernd Sibler von der CSU einen spaßigen Schlusspunkt mit seiner Erklärung zu seinem Erwachsenenbildungs-Bezug: „Mittelalterliche Tänze bei der Volkshochschule Deggendorf“. 

Auf Anfrage von Susanne Schönwälder von der KAB München fanden die Politiker auch keine perfekte Lösung, wie man möglichst viele Menschen – nicht nur Akademiker – für Themen der politischen Bildung erreichen kann. Dr. Piazolo „Es braucht vor allem Zeit, Zeit durch Bildungsfreistellung, Zeit auch, um Bildungsangebote mit der Familie vereinbaren zu können“. Bayerns „oberster Bildungschef“ Bernd Sibler war der Meinung, dass vor allem die Grundlagen besser sitzen müssen, nämlich lesen, schreiben und rechnen, denn „das ist die Basis von ganz konkretem Wissen und von der Fähigkeit, Informationen zu bewerten“. Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze empfahl Bildungsanbietern, passgenaue Angebote zu setzen und diese auf den verschiedensten analogen und digitalen Kanälen zu kommunizieren. 

Hannes Kreller, Diözesanvorsitzender der KAB München-Freising, fragte in der nächsten Runde das Thema „Bildungszeit/Bildungsfreistellung“ ab. Kreller geht davon aus, dass die Zeitfrage die wichtigste Frage übernhaupt sei, habe der Mensch durch seine Arbeit, sein Familienleben und seiner Verpflichtung zu beruflichen Schulungen doch eigentlich gar keine Zeit mehr für politische Bildungsveranstaltungen. Sachsen und Bayern seien die einzigen Länder ohne Bildungszeitgesetz, kritisierte Kreller. Diana Stachowitz, Landtagsabgeordnete der SPD, forderte ein Recht auf Bildungszeit und auch, dass die Arbeitgeber dazu in die Pflicht genommen werden müssen. Auch die anwesenden KAB-Mitglieder nahmen die Gelegenheit wahr, Fragen zu stellen und Anregungen zu machen, beispielsweise eine frühere Krankenschwester, die von einer Vielzahl von beruflichen Fortbildungen sprach und kritisch anmerkte, „dass die Menschen immer besser, immer schlauer werden müssen“ und man es doch einfach mal „gut sein lassen“ könne. 

Alles in allem war es eine lebhafte Diskussion, bei der sich die Vertreter der verschiedenen Parteien in einigen Punkten einig waren, beispielsweise bezüglich der Chancen und Gefahren der Digitalisierung, aber natürlich gab es auch Streitpunkte wie beim Thema Bildungszeitgesetz, dass die KAB seit Jahren fordert.